Was sind Private Markets? Anlageklassen, Zugang und Risiken erklärt

Dein ETF-Sparplan läuft seit Jahren und verteilt Dein Geld auf die großen Börsenunternehmen der Welt. Der Familienbetrieb, der seit drei Generationen Verpackungsmaschinen baut, fehlt darin trotzdem, genauso wie das KI-Unternehmen, das noch nicht an der Börse ist. All das gehört zu den Private Markets: Anlagen, die außerhalb der Börse gehandelt werden.
Wie ernst große Investoren diesen Teil der Wirtschaft nehmen, zeigt der KENFO, der deutsche Staatsfonds für die Finanzierung der Atommüll-Entsorgung. Ende 2025 lagen 14,3 Prozent seines Vermögens in nicht börsennotierten Anlagen, bis Ende 2028 sollen es je nach Marktumfeld voraussichtlich rund 30 Prozent werden (KENFO, Stand 31. Dezember 2025). Warum ein Staatsfonds so plant und welche Fragen sich davon auf ein privates Depot übertragen lassen, besprechen wir in Folge #69 unseres Podcasts Diversify.
Private Markets in Kürze
- Oberbegriff für Anlagen, die nicht an einer Börse gehandelt werden
- Wichtigste Anlageklassen: Private Equity, Venture Capital, Private Credit, Infrastruktur
- Bewertung in festen Abständen, häufig quartalsweise
- Anlagehorizont in der Regel mehrere Jahre
- Wege für Privatanleger: vor allem Fonds, zum Beispiel ELTIF als rechtlicher Rahmen, teils mit Evergreen-Struktur
- Risiken: eingeschränkte Liquidität, Bewertungsrisiko, höhere Kosten als bei Indexfonds, Verluste bis zum Totalverlust
Was sind Private Markets?
Private Markets, auf Deutsch Privatmärkte, umfassen alle Investitionen in Unternehmen, Kredite und Sachwerte, die nicht über eine Börse laufen. Das Gegenstück heißt Public Markets: Aktien, Anleihen und ETFs, die Du jeden Handelstag zu einem öffentlich sichtbaren Kurs kaufen und verkaufen kannst.
Im Privatmarkt treffen Käufer und Verkäufer direkt aufeinander. Ein Private-Equity-Fonds kauft ein Unternehmen vom Gründer, und ein Kreditfonds finanziert einen Mittelständler ohne Umweg über die Hausbank. Den Preis handeln die Beteiligten aus, und danach bewertet der Fonds seine Beteiligungen in regelmäßigen Abständen neu. Wer auf der anderen Seite steht, von großen Fondshäusern bis zu Pensionskassen, zeigt unser Überblick über die Player in den Private Markets.
Worin sich Private Markets von der Börse unterscheiden
Den ausführlichen Vergleich findest Du im Artikel öffentliche vs. private Märkte. Für Dein Depot zählen vor allem vier Punkte:
- Handel: Eine Aktie verkaufst Du in Sekunden. Einen Anteil an einem Private-Markets-Fonds kannst Du je nach Fonds nur zu bestimmten Terminen und unter Bedingungen zurückgeben.
- Bewertung: Der Fonds ermittelt seinen Nettoinventarwert (NAV) in festen Abständen, zum Beispiel einmal im Quartal.
- Einfluss: Private-Equity-Manager sitzen häufig im Aufsichtsgremium der Unternehmen und arbeiten über Jahre an Strategie und Führung mit.
- Informationen: Börsenunternehmen veröffentlichen Quartalszahlen für alle. Private Unternehmen berichten an ihre Investoren, die Öffentlichkeit erfährt wenig.
Heißt für Dich: Private Markets verlangen Geduld und eine andere Erwartung an Liquidität als Dein ETF-Depot.
Die vier großen Anlageklassen
Private Equity
Private Equity heißt Beteiligung an nicht börsennotierten, meist etablierten Unternehmen. Im klassischen Buyout übernimmt ein Fonds die Mehrheit an einem Unternehmen, entwickelt es über einige Jahre weiter und verkauft es anschließend an einen anderen Käufer oder über einen Börsengang. Die Grundlagen erklärt unser Artikel Was ist Private Equity?. Anteile an bestehenden Fonds wechseln übrigens auch den Besitzer, bevor diese auslaufen, auf dem Private-Equity-Sekundärmarkt.
Venture Capital
Venture Capital finanziert junge, schnell wachsende Unternehmen. Viele davon scheitern, einige wenige wachsen so stark, dass sie die Verluste der anderen tragen. Genau deshalb streuen Venture-Capital-Fonds breit und bleiben oft zehn Jahre und länger investiert. Wie Du in diese Anlageklasse investieren kannst und welche Rolle späte Finanzierungsrunden vor dem Börsengang spielen, zeigt unser Leitfaden zu Venture Capital.
Private Credit
Private Credit bedeutet Kreditvergabe abseits klassischer Banken. Fonds leihen mittelständischen Unternehmen Geld, oft für Übernahmen oder Wachstum, und erhalten dafür laufende Zinsen. Das Risiko liegt vor allem darin, dass ein Kreditnehmer nicht zurückzahlen kann. Mehr dazu liest Du in unserem Leitfaden zu Private Credit.
Infrastruktur
Hinter jeder Videokonferenz steht ein Rechenzentrum, hinter jeder Stromrechnung ein Netz. Infrastrukturfonds investieren in solche Anlagen: Energie, Glasfaser, Verkehr, Rechenzentren. Die Einnahmen beruhen häufig auf langfristigen Verträgen oder regulierten Entgelten, und das kann die Einnahmen einzelner Projekte besser abschätzbar machen. Einen Überblick gibt unser Leitfaden zu Infrastruktur-Investitionen.
Hedgefonds zählen zu den alternativen Anlagen und stehen oft in einem Atemzug mit Private Markets. Sie handeln allerdings überwiegend an liquiden Märkten und folgen eigenen Strategien, etwa Long/Short.
Wie Privatanleger in Private Markets investieren
Direkt in ein privates Unternehmen investieren können Privatanleger selten, denn solche Beteiligungen verlangen hohe Mindestsummen und eine eigene Prüfung. Den Weg in Privatmarktanlagen ebnen deshalb Fonds, die das Kapital vieler Anleger bündeln. Zwei Begriffe begegnen Dir dabei immer wieder. ELTIF ist der rechtliche Fondsmantel der EU, Evergreen beschreibt die Bauweise eines Fonds, der fortlaufend neues Geld annimmt. Ein Fonds kann beides zugleich sein, etwa ein ELTIF mit Evergreen-Struktur.
ELTIF
Der ELTIF ist ein europäischer Fondsmantel für langfristige Anlagen. Mit der Reform ELTIF 2.0, die seit dem 10. Januar 2024 gilt, hat die EU die Hürden für Privatanleger deutlich gesenkt. Seitdem wächst der Markt schnell: Ende 2025 verwalteten ELTIF europaweit mindestens 34,0 Milliarden Euro, ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Scope, ELTIF-Studie vom 26. März 2026). Wie ein ELTIF aufgebaut ist und wann Rückgaben möglich sind, erklärt unser Überblick zum ELTIF.
Evergreen-Fonds
Evergreen-Fonds sind fortlaufend angelegt: Sie nehmen über längere Zeit immer wieder neues Geld an, und viele sehen Rückgaben zu bestimmten Terminen vor, oft mit Obergrenzen. Welche Laufzeit und welche Rückgaberegeln gelten, steht in den Unterlagen des einzelnen Fonds. Bei klassischen geschlossenen Fonds sagst Du dagegen einen Betrag zu, den der Manager über Jahre abruft, und kannst Deine Anteile während der Laufzeit in der Regel nicht zurückgeben. Ausschüttungen sind trotzdem schon vorher möglich, etwa wenn der Fonds eine Beteiligung verkauft. Die Mechanik im Detail zeigt unser Artikel zu Evergreen-Fonds.
Manche Fonds kombinieren mehrere Anlageklassen in einem Produkt, zum Beispiel Private Equity und Infrastruktur. Welche Fonds Du in der NAO-App findest, zeigen unsere Seiten zu Private Equity, Venture Capital, Private Credit, Infrastruktur und Multi-Assets-Fonds. Fondsunterlagen und Basisinformationsblatt liegen für jeden Fonds direkt in der App.
Chancen und Risiken
Private Markets können Dein Portfolio breiter aufstellen, weil sie Teile der Wirtschaft abdecken, die an der Börse fehlen. Dazu kommt, dass die Manager aktiv an ihren Beteiligungen mitarbeiten.
Dem stehen Risiken gegenüber, auf die es vor jeder Anlage ankommt:
- Liquidität: Dein Kapital ist über Jahre gebunden. Rückgaben sind je nach Fonds nur zu bestimmten Terminen und in begrenztem Umfang möglich, bei geschlossenen Fonds während der Laufzeit in der Regel gar nicht.
- Bewertung: Der NAV entsteht aus Modellen und Vergleichstransaktionen und folgt Marktbewegungen mit Verzögerung. Eine ruhige Wertentwicklung heißt zunächst nur, dass seltener gemessen wird.
- Manager: Wie ein Fonds abschneidet, hängt stark vom Manager ab. Vor allem bei Private Equity liegen zwischen guten und schwachen Fonds große Unterschiede.
- Kosten: Auswahl und Betreuung nicht börsennotierter Anlagen sind aufwendig, und das zeigt sich in den laufenden Kosten.
- Verlust: Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.
Warum Private Markets trotzdem in vielen Portfolios großer Investoren einen festen Platz haben, beschreibt unser Artikel Warum Private Markets für Dein Portfolio wichtig sein können.
Worauf Du bei der Auswahl eines Fonds achten kannst
Bei einem Private-Markets-Fonds hängt viel an den Entscheidungen des Managers. Diese Fragen helfen Dir beim Vergleich:
- Track Record: Wie lange ist der Manager in dieser Anlageklasse aktiv, und wie ist er durch schwierige Marktphasen gekommen?
- Stabilität: Arbeitet das Team seit Jahren zusammen, oder haben zuletzt wichtige Köpfe gewechselt?
- Kosten: Welche laufenden Kosten und möglichen Rückgabeabschläge nennt das Basisinformationsblatt?
- Transparenz: Legt der Fonds offen, in welche Unternehmen oder Projekte er investiert?
- Gleichbehandlung: Bekommen kleine Anleger dieselben Konditionen wie große?
Nach diesen Maßstäben prüft auch unser Investment-Team jeden Fonds, 1 von 8 Fonds nehmen wir auf.
Was heißt das für Dein Depot?
Private Markets ergänzen ein Depot aus Aktien und ETFs, und für Geld, das Du kurzfristig brauchst, bleibt der liquide Teil zuständig. Bevor Du investierst, kannst Du für Dich klären:
- Welchen Teil Deines Vermögens benötigst Du in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht?
- Welche Anlageklasse passt zu Deinem Ziel: eher laufende Erträge wie bei Private Credit und Infrastruktur oder eher Wachstum wie bei Private Equity und Venture Capital?
- Wie sind Rückgaben beim Fonds Deiner Wahl geregelt, und welche Kosten fallen an?
Du hast Fragen zur Einordnung? Unser Kundenservice ist werktags persönlich für Dich da. Schreib uns gerne.
FAQ
Was versteht man unter Private Markets?
Private Markets sind der Oberbegriff für Anlagen, die nicht an einer Börse gehandelt werden. Dazu gehören vor allem Private Equity, Venture Capital, Private Credit und Infrastruktur.
Was ist der Unterschied zwischen Private Markets und Public Markets?
Public Markets sind börsengehandelte Märkte mit täglichen Kursen, etwa Aktien und ETFs. In Private Markets werden Preise zwischen Käufer und Verkäufer ausgehandelt, Fonds bewerten ihre Anlagen in festen Abständen, und Rückgaben sind je nach Fonds nur eingeschränkt oder während der Laufzeit gar nicht möglich.
Welche Anlageklassen gehören zu den Private Markets?
Zu den Private Markets gehören Private Equity, Venture Capital, Private Credit und Infrastruktur. Je nach Abgrenzung zählen auch Immobilien dazu.
Können Privatanleger in Private Markets investieren?
Ja, Privatanleger investieren vor allem über Fonds, häufig im rechtlichen Rahmen eines ELTIF und teils mit Evergreen-Struktur. Seit der Reform ELTIF 2.0 im Januar 2024 sind die Hürden dafür deutlich gesunken.
Wie lange ist mein Geld in Private Markets gebunden?
Das hängt vom Fonds ab, in der Regel sind es mehrere Jahre. Bei manchen Fonds gibt es während der Laufzeit kein reguläres Rückgaberecht. Ob und zu welchen Bedingungen Du Anteile zurückgeben kannst, steht in den Fondsunterlagen und im Basisinformationsblatt.
Welche Risiken haben Private Markets?
Die wichtigsten Risiken sind eingeschränkte Liquidität, verzögerte Bewertungen, große Unterschiede zwischen Managern und höhere laufende Kosten als bei börsengehandelten Indexfonds. Verluste bis zum Totalverlust sind möglich.
Dieser Artikel dient der Einordnung und ist keine Anlageberatung. Private-Markets-Fonds sind langfristig ausgerichtet: Kapital ist über die Laufzeit gebunden, Rückgaben sind eingeschränkt und Verluste bis zum Totalverlust möglich. Maßgeblich sind das Basisinformationsblatt (KID) und die Fondsunterlagen. Für Fonds in der NAO-App findest Du beides direkt in der App.
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