Long-Short-Strategie: Wie Fonds in beide Richtungen investieren
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Aktualisiert: 23. Juli 2026
Wenn ein Fonds eine Aktie kauft, ist die Logik schnell klar: Steigt der Kurs, gewinnt die Position an Wert. Bei einer Long-Short-Strategie kommt eine zweite Seite dazu. Der Fonds kann zusätzlich auf fallende Kurse einzelner Aktien setzen und damit sein Research breiter nutzen.
Das klingt zunächst technisch, ist aber ein alter institutioneller Investmentansatz. Entscheidend ist die Mechanik dahinter: Ein Fondsmanager bewertet Unternehmen, bildet eine Meinung zu starken und schwachen Titeln und setzt diese Meinung auf beiden Seiten des Portfolios um.
Für Dich ist vor allem eine Frage relevant: Wie verändert sich dadurch das Profil eines Fonds? Genau darum geht es in diesem Artikel, von Long und Short über marktneutrale Strategien bis zu Active Extension als regulierter Variante im Fondsformat.
Was bedeutet Long-Short überhaupt?
Long bedeutet: Der Fonds kauft eine Aktie, weil das Management von steigenden Kursen ausgeht. Entwickelt sich das Unternehmen positiv und steigt der Aktienkurs, profitiert die Long-Position.
Short funktioniert anders. Der Fonds leiht sich eine Aktie, verkauft sie am Markt und kauft sie später idealerweise günstiger zurück. Die Differenz kann ein Gewinn sein, sofern der Kurs tatsächlich fällt. Steigt der Kurs dagegen, entsteht ein Verlust.
Eine Long-Short-Strategie kombiniert beide Richtungen in einem Fonds. Auf der Long-Seite stehen Titel, die das Fondsmanagement für aussichtsreich hält. Auf der Short-Seite stehen Titel, bei denen es von Schwäche, Überbewertung oder schlechteren Aussichten ausgeht.
Der wichtige Punkt: Die Short-Seite ist kein Zocken, sofern sie systematisch eingesetzt wird. Sie ist ein Werkzeug, mit dem ein Fondsmanager seine Einschätzungen zu Unternehmen vollständiger ausdrücken kann. Wer intensive Aktienanalyse betreibt, findet normalerweise nicht nur Unternehmen mit attraktiven Chancen, sondern auch Titel mit strukturellen Problemen. Long-Short macht beides investierbar.
Wie funktioniert eine Long-Short-Strategie konkret?
Ein klassischer Aktienfonds investiert meist in Aktien, von denen das Fondsmanagement überzeugt ist. Eine Long-Short-Strategie erweitert diese Logik: Der Fonds kann zusätzlich Positionen nutzen, die von fallenden Kursen einzelner Aktien profitieren können.
Ein vereinfachtes Beispiel ist ein 130/30 Fonds. Er hält etwa 130 Prozent Long-Positionen in Aktien, die das Management attraktiv findet, und etwa 30 Prozent Short-Positionen in Aktien, die es kritisch sieht. Das Netto-Marktexposure liegt dann bei rund 100 Prozent.
Das klingt erst einmal widersprüchlich: Wie kann ein Fonds 130 Prozent investieren und am Ende trotzdem ungefähr bei 100 Prozent Aktienmarktabhängigkeit liegen? Die Antwort liegt in der Verrechnung. Die Long-Seite erhöht das Aktienexposure, die Short-Seite zieht einen Teil davon wieder ab. Unter dem Strich bleibt der Fonds also ungefähr so stark am Aktienmarkt beteiligt wie ein klassischer Aktienfonds.
Genau hier hilft die Unterscheidung zwischen brutto und netto. Brutto zeigt, wie viel insgesamt im Portfolio arbeitet, also Long- und Short-Seite zusammen. Netto zeigt, wie stark der Fonds nach Verrechnung der Short-Positionen noch am Aktienmarkt hängt. Diese Nettobetrachtung hilft Dir, die Marktabhängigkeit eines Long-Short-Fonds besser einzuordnen.
Wie stark ein Long-Short-Fonds von der allgemeinen Marktentwicklung abhängt, unterscheidet sich je nach Strategie. Das zeigt der Vergleich zwischen Active Extension und einem marktneutralen Ansatz.
Was bedeutet Active Extension?
Active Extension ist eine Form der Long-Short-Strategie. Der Fonds bleibt grundsätzlich am Aktienmarkt investiert und erweitert einen klassischen Aktienfonds um Short-Positionen. So kann das Management Unternehmen, die es kritisch bewertet, aktiv auf der Short-Seite einsetzen.
Häufig arbeitet eine Active-Extension-Strategie mit einem 130/30 Ansatz: etwa 130 Prozent Long-Positionen und etwa 30 Prozent Short-Positionen. Nach der Verrechnung liegt das Netto-Marktexposure bei rund 100 Prozent. Der Fonds bleibt damit ungefähr so stark vom Aktienmarkt abhängig wie ein klassischer Aktienfonds.
Der zusätzliche Spielraum liegt in der Auswahl einzelner Titel. Das Management kann überzeugende Unternehmen stärker gewichten und kritische Einschätzungen über Short-Positionen im Portfolio abbilden. Liegt die Analyse richtig, kann das die Wertentwicklung unterstützen. Fehleinschätzungen können den Fonds zusätzlich belasten.
Was ist der Unterschied zur marktneutralen Strategie?
Bei einer marktneutralen Strategie versucht der Fonds, die Long- und Short-Seite möglichst stark auszubalancieren. Das Netto-Marktexposure liegt dann nahe null. Die allgemeine Richtung des Aktienmarkts soll eine kleinere Rolle spielen. Entscheidend ist vor allem, ob die ausgewählten Long-Titel besser laufen als die ausgewählten Short-Titel.
Das kann funktionieren, macht den Fonds aber stark abhängig von der Qualität der Einzeltitelauswahl. Wenn die Long-Seite enttäuscht oder die Short-Seite gegen den Fonds läuft, hilft auch ein ruhiger Gesamtmarkt wenig.
Bei Long-Bias-Strategien wie z. B. Active Extension bleibt das Netto-Exposure typischerweise in der Nähe eines klassischen Aktienfonds. Der Fonds nimmt also weiterhin an der allgemeinen Marktentwicklung teil. Zusätzlich versucht das Management, über die Auswahl einzelner Long- und Short-Titel Mehrwert zu schaffen.
Welche Variante besser passt, hängt vom Ziel des Fonds, vom Risikoprofil und vom Marktumfeld ab. Für Dich zählt vor allem: Eine marktneutrale Strategie zielt stärker darauf ab, die Abhängigkeit vom Gesamtmarkt zu reduzieren. Active Extension bleibt näher am Aktienmarkt und ergänzt ihn um eine zweite Seite im Portfolio.
Was ist der Unterschied zu Hedgefonds?
Long-Short ist eine Strategie. Hedgefonds sind eine Produktkategorie, in der solche Strategien häufig eingesetzt werden. Viele Hedgefonds arbeiten mit hoher Flexibilität, geringerer Regulierung und Mindestanlagen, die vor allem für professionelle Anleger gedacht sind.
Long-Short-Fonds können auch als regulierte Investmentfonds umgesetzt werden. Für Dich heißt das: Die Strategie nutzt zwar Long- und Short-Positionen, folgt aber festen Regeln zu Risikostreuung, Liquidität und Transparenz. Damit unterscheidet sie sich deutlich von vielen Hedgefonds, die häufig flexibler und weniger zugänglich strukturiert sind.
Active Extension liegt genau in diesem Bereich: institutionelle Mechanik, umgesetzt in einem regulierten Fondsformat. Wenn Du tiefer verstehen möchtest, wie Hedgefonds rechtlich einzuordnen sind und welche Wege es für Privatanleger gibt, findest Du mehr dazu im Artikel Hedgefonds für Privatanleger.
Der Begriff Hedgefonds Alternative passt deshalb nur mit Präzision. Active Extension nutzt ein Werkzeug, das viele aus der Hedgefonds-Welt kennen, arbeitet aber innerhalb eines regulierten Fondsrahmens.
Chancen und Risiken im Überblick
Long-Short-Strategien können dem Fondsmanagement mehr Ausdrucksmöglichkeiten geben. Die Aktienanalyse liefert dem Fondsmanagement Einschätzungen zu überzeugenden und kritisch bewerteten Unternehmen. Über die Long- und Short-Seite können beide Perspektiven in das Portfolio einfließen. Dadurch wird die Analyse breiter verwertbar.
Dazu kommt mehr Flexibilität gegenüber einem reinen Long-only-Fonds. Wenn ein Unternehmen fundamental schwach erscheint, kann diese Einschätzung im Portfolio sichtbar werden, statt nur zu einer Untergewichtung zu führen.
Gleichzeitig erhöht die Short-Seite die Komplexität. Eine Short-Position kann sich gegen den Fonds entwickeln, wenn die Aktie steigt. Verluste auf der Short-Seite können stark ausfallen, weil ein Aktienkurs theoretisch unbegrenzt steigen kann. Auch aktives Management kann sich irren: Wenn Long-Positionen enttäuschen und Short-Positionen steigen, wirkt die Fehleinschätzung auf beiden Seiten.
Weitere Punkte kommen hinzu. Long-Short-Fonds können höhere Kosten haben als passive Fonds, und ihre Ergebnisse hängen stark vom Management, vom Risikomodell und von der Umsetzung ab. Kapitalverluste bis hin zum Totalverlust sind möglich.
Heißt für Dich: Eine Long-Short-Strategie gibt dem Fondsmanagement zusätzliche Möglichkeiten, seine Einschätzungen im Portfolio umzusetzen. Gleichzeitig steigen Komplexität und Risiken.
Ein konkretes Beispiel: Active Extension bei J.P. Morgan auf NAO
Ein konkretes Beispiel für Active Extension findest Du bei J.P. Morgan Asset Management auf NAO: den JPMorgan Funds - Global Equity Plus Fund (ISIN LU3351089811, aufgelegt im Mai 2026) und den JPMorgan Funds - Emerging Markets Equity Plus Fund (ISIN LU2190025218, aufgelegt im Dezember 2020).
Beide Fonds arbeiten mit dem bekannten 130/30 Ansatz: etwa 130 Prozent Long-Positionen, etwa 30 Prozent Short-Positionen und rund 100 Prozent Netto-Marktexposure. Vereinfacht gesagt: Die Fonds bleiben vom Grundprofil nah an einem Aktienfonds, nutzen aber zusätzlich die Short-Seite, um kritische Einschätzungen zu einzelnen Unternehmen abzubilden.
Wichtig ist dabei die Erfahrung hinter der Strategie. J.P. Morgan Asset Management setzt Active Extension seit rund 20 Jahren institutionell ein. Der Asset Manager verwaltet 4,6 Bio. USD (Stand 30.06.2026), investiert jährlich über 190 Mio. USD in Aktien-Research und arbeitet mit mehr als 400 Aktienexpert:innen an 9 Standorten weltweit.
In der NAO-App kannst Du beide Fonds ansehen. Handverlesen von unserem Investment-Team, wie jeder Fonds in der NAO-App.
Wenn Dich besonders der Emerging-Markets-Aspekt interessiert, findest Du die Einordnung dazu im Artikel Schwellenländer Fonds.
FAQ
Was ist eine Long-Short-Strategie?
Eine Long-Short-Strategie investiert gleichzeitig in Titel mit erwarteten Kurssteigerungen und in Titel mit erwarteten Kursverlusten. Long-Positionen profitieren von steigenden Kursen, Short-Positionen von fallenden Kursen. Ziel ist es, Research auf beiden Seiten des Marktes zu nutzen.
Was ist der Unterschied zwischen Long-Short und marktneutral?
Long-Short beschreibt erst einmal nur, dass ein Fonds mit Long- und Short-Positionen arbeitet. Marktneutral ist eine bestimmte Form davon: Der Fonds versucht, beide Seiten so auszubalancieren, dass die allgemeine Richtung des Aktienmarkts eine kleinere Rolle spielt. Bei Active Extension bleibt das Netto-Marktexposure dagegen typischerweise bei rund 100 Prozent. Der Fonds ist also weiterhin ungefähr so stark am Aktienmarkt beteiligt wie ein klassischer Aktienfonds.
Sind Long-Short-Fonds für Privatanleger zugänglich?
Ja, Long-Short-Strategien können auch in regulierten Investmentfonds umgesetzt werden. Für Dich zählt vor allem, in welchem Fondsrahmen die Strategie läuft, welche Risiken beschrieben werden und was in den Fondsunterlagen steht. Klassische Hedgefonds mit ähnlichen Strategien richten sich häufig an professionelle Anleger und folgen oft anderen Regeln.
Was ist der Unterschied zwischen einem Long-Short-Fonds und einem Hedgefonds?
Ein Long-Short-Fonds beschreibt einen Fonds, der Long- und Short-Positionen kombiniert. Ein Hedgefonds ist eine breitere Produktkategorie mit oft flexibleren Strategien und anderen Zugangsvoraussetzungen. Long-Short kann in Hedgefonds vorkommen, aber auch in regulierten Fondsformaten wie UCITS.
Wie kann ich in eine Long-Short-Strategie investieren?
Eine Möglichkeit sind regulierte Fonds mit Active Extension Strategie. Auf NAO sind der JPMorgan Funds - Global Equity Plus Fund und der JPMorgan Funds - Emerging Markets Equity Plus Fund in der App ohne Mindestanlage verfügbar. Die Entscheidung hängt von Deinem Anlageziel, Deinem Risikoprofil und den Fondsunterlagen ab.
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