Schwellenländer Fonds: ETF oder aktiv gemanagt?

Schwellenländer klingen oft nach großer Wachstumsstory: junge Bevölkerung, neue Mittelschichten, Unternehmen mit globalem Anspruch. Gleichzeitig sind diese Märkte anspruchsvoller als viele Industrieländer. Politische Entscheidungen können Kurse bewegen, Währungen schwanken stärker, und einzelne Unternehmen werden vom Markt manchmal anders bewertet, als es ihr Geschäftsmodell vermuten lässt.
Genau deshalb ist die Frage berechtigt: Reicht ein günstiger Schwellenländer-ETF, oder kann ein aktiv gemanagter Schwellenländer Fonds mehr leisten?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, was Du suchst. Ein ETF liefert Dir breite Marktabdeckung. Ein aktiver Fonds versucht, innerhalb dieses Marktes gezielter zu unterscheiden. Beides hat seinen Platz, aber die Mechanik dahinter ist sehr unterschiedlich.
Warum überhaupt in Schwellenländer investieren?
Wer in Schwellenländer investieren möchte, schaut meist auf Volkswirtschaften, die noch stärker wachsen können als viele entwickelte Märkte. Dazu gehören Länder mit junger Bevölkerung, wachsender Mittelschicht und Unternehmen, die in Bereichen wie Konsum, Technologie, Finanzdienstleistungen oder Industrie aufholen.
Für Dein Portfolio kann das interessant sein, weil Schwellenländer oft anderen Wirtschaftszyklen folgen als die USA, Europa oder Japan. Sie können also eine Beimischung sein, wenn Du Dein Portfolio breiter aufstellen möchtest.
Gleichzeitig gehört die Risikoseite von Anfang an dazu. Schwellenländer sind häufig volatiler, politische Unsicherheit kann stärker wirken und Währungsbewegungen können die Wertentwicklung zusätzlich beeinflussen. Deshalb können sie eher als bewusst gewählte Beimischung, nicht als Fundament eines Portfolios passen.
Der Standardweg: Schwellenländer-ETF
Der bekannteste Weg führt über einen Schwellenländer-ETF, häufig auf Basis des MSCI Emerging Markets oder eines ähnlichen Index. Du bekommst damit ein breit gestreutes Portfolio aus Unternehmen verschiedener Länder und Branchen. Die Kosten sind meist niedrig, die Produkte sind liquide, und die Struktur ist für ETF-erfahrene Anleger gut nachvollziehbar.
Der Preis für diese Einfachheit: Ein ETF bildet den Index ab. Er kann einzelne Unternehmen übergewichten, wenn sie im Index groß sind, und er kann auf neue Einschätzungen nur reagieren, wenn sich der Index verändert. Short-Positionen, also Positionen, die von fallenden Kursen profitieren können, gehören bei einem klassischen ETF nicht zur Strategie.
Für viele Anleger reicht genau das aus. Wer günstiges Marktexposure sucht und keine aktive Auswahl bezahlen möchte, kann mit einem Schwellenländer-ETF einen klaren, einfachen Baustein bekommen.
Wann kann ein aktiv gemanagter Fonds sinnvoll sein?
Ein aktiv gemanagter Schwellenländer Fonds verfolgt einen anderen Ansatz. Das Fondsmanagement wählt einzelne Unternehmen bewusst aus, kann Positionen stärker gewichten, schwächere Titel meiden und das Portfolio anpassen, wenn sich die Einschätzung zu einem Markt oder Unternehmen verändert.
Gerade in Schwellenländern kann das relevant sein, weil Informationen, Marktqualität und Unternehmensführung stärker auseinanderlaufen als in vielen Industrieländern. Dort, wo der Markt weniger effizient ist, kann aktives Management mehr Raum haben, um Mehrwert zu schaffen. Entscheidend ist aber nicht die Idee allein, sondern der Prozess dahinter.
Aktive Fonds sind in der Regel teurer als ETFs. Deshalb lohnt der Blick auf die Arbeit hinter dem Fonds: Wie gründlich analysiert das Team einzelne Unternehmen? Wie geht es mit Verlustphasen um? Und hat der Manager über mehrere Marktphasen gezeigt, dass seine Strategie trägt?
Active Extension: wenn aktives Management noch einen Schritt weitergeht
Eine Active-Extension-Strategie erweitert klassisches aktives Management um Short-Positionen. Der Fonds kann also stärker in Unternehmen investieren, von denen das Management überzeugt ist, und zusätzlich Positionen nutzen, die von fallenden Kursen einzelner Unternehmen profitieren können.
Ein typisches Modell arbeitet mit ca. 130 % Long-Positionen und ca. 30 % Short-Positionen. Der Fonds verstärkt damit seine positiven Einschätzungen und gleicht einen Teil davon über Short-Positionen aus. Am Ende bleibt er ungefähr so stark am Aktienmarkt investiert wie ein klassischer Aktienfonds.
Genau darin liegt der zentrale Zusatz dieser Strategie: Das Management kann positive Einschätzungen über Long-Positionen ausdrücken und kritische Einschätzungen über Short-Positionen. Geht die Analyse auf, kann das die Wertentwicklung unterstützen. Liegt sie falsch, belastet genau diese Position den Fonds. Umgesetzt wird das in einem regulierten UCITS-Fondsrahmen, also nach festen europäischen Regeln für Investmentfonds.
Wenn Du tiefer verstehen möchtest, wie sich solche Strategien einordnen lassen, findest Du hier den passenden Hintergrundartikel: Hedgefonds für Privatanleger.
Ein Beispiel aus der Praxis: J.P. Morgan Emerging Markets Equity Plus Fund
Ein konkretes Beispiel ist der JPMorgan Emerging Markets Equity Plus Fund (ISIN LU2190025218), aufgelegt im Dezember 2020. Der Fonds investiert weltweit in Schwellenländer und nutzt einen Active-Extension-Ansatz.
Konkret arbeitet der Fonds mit dem bekannten 130/30 Modell: etwa 130 Prozent Long-Positionen, etwa 30 Prozent Short-Positionen und rund 100 Prozent Netto-Marktexposure. Vereinfacht gesagt: Der Fonds bleibt vom Grundprofil nah an einem Aktienfonds, nutzt aber zusätzlich die Short-Seite, um kritische Einschätzungen zu einzelnen Unternehmen im Portfolio abzubilden.
Hinter dem Fonds steht J.P. Morgan Asset Management. Das Haus verwaltet 4,6 Bio. USD (Stand 30.06.2026), investiert jährlich über 190 Mio. USD in Aktien-Research und arbeitet mit mehr als 400 Aktienexpert:innen an 9 Standorten weltweit.
Gerade bei Schwellenländern ist diese Tiefe in der Analyse relevant. Unternehmen, Branchen und politische Entwicklungen müssen laufend eingeordnet werden. Genau dort entscheidet sich, ob aktives Management mehr leisten kann als reine Indexabbildung.
In der NAO-App kannst Du den JPMorgan Emerging Markets Equity Plus Fund ansehen. Handverlesen von unserem Investment-Team, wie jeder Fonds in der NAO-App.
Chancen und Risiken im Überblick
Ein aktiv gemanagter Schwellenländer Fonds kann für Anleger interessant sein, die bewusst mehr wollen als reine Indexabbildung. Die Chance liegt in gezielter Titelauswahl und in der Möglichkeit, auch kritische Einschätzungen zu einzelnen Unternehmen in der Strategie abzubilden.
Gleichzeitig bleibt das Risiko deutlich. Short-Positionen können Verluste verursachen, wenn sich die Einschätzung des Fondsmanagements nicht bestätigt. Dazu kommen typische Schwellenländer-Risiken wie politische Unsicherheit, Währungsschwankungen und höhere Volatilität. Verluste bis zum Totalverlust sind möglich.
Für Dich bedeutet das: Die Frage ist weniger, ob Schwellenländer-ETF oder Fonds grundsätzlich überlegen ist. Entscheidend ist, welche Rolle der Baustein in Deinem Portfolio übernehmen soll, wie viel Komplexität Du bewusst akzeptierst und ob Du dem aktiven Prozess vertraust.
FAQ
Was ist ein Schwellenländer Fonds?
Ein Schwellenländer Fonds investiert in Unternehmen aus aufstrebenden Volkswirtschaften, zum Beispiel aus Asien, Lateinamerika, Osteuropa oder Afrika. Das kann passiv über einen ETF oder aktiv über ein Fondsmanagement erfolgen, das einzelne Titel gezielt auswählt.
Ist ein ETF oder ein aktiver Fonds besser für Schwellenländer?
Das hängt von Deinem Ziel ab. Ein ETF bietet günstige und breite Marktabdeckung, während ein aktiver Fonds gezielter auf einzelne Chancen und Risiken reagieren kann. Bei aktiven Fonds zählen vor allem Investmentprozess, Kosten, Track Record und Risikomanagement.
Was ist eine Active-Extension-Strategie?
Eine Active-Extension-Strategie kombiniert Long- und Short-Positionen. Im beschriebenen Ansatz investiert der Fonds ca. 130 % long und ca. 30 % short, sodass das Netto-Marktexposure bei ca. 100 % liegt. Damit kann das Management positive und negative Einschätzungen zu einzelnen Unternehmen ausdrücken.
Wie kann ich in den J.P. Morgan Emerging Markets Fonds investieren?
Du kannst den JPMorgan Emerging Markets Equity Plus Fund über die NAO-App ansehen und ohne Mindestanlage investieren. Die Entscheidung liegt bei Dir. Bitte lies vor einer Investition die Fondsunterlagen und das KID in der NAO-App.
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